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» Dieser Artikel wurde am
30. März 2010
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Reisen bedeutet Abenteuer, auch in unserer modernen Zeit

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Es begab sich an einem Tag im März des Jahres 2010, dass sich 3 angegraute (bzw. 2 angegraute und einer mit ohne Haare) Herren aufmachten, einen vierten angegrauten Herren in den fernen Verunreinigten Staaten von Amerika zu besuchen. Man hatte sich frühzeitig (ca. 1 Monat vorher) um einen günstigen Flug ins sonnige Kalifornien gekümmert (500 EUR) und war dann am Tage der Reise auch eigentlich recht entspannt.
Das Abenteuer begann für den Autor gegen 6:10 Uhr am Morgen mit dem Fußmarsch zur Bushaltestelle. Mit einem Koffer auf Rollen und je einer Tasche für Notebook und Fotokamera bewaffnet, bestieg er den Bus gen Saarbahnhaltestelle und erwischte dort ohne Probleme die Bahn Richtung Hauptbahnhof (2,40 EUR). Fast pünktlich um kurz nach 6:30 Uhr traf er dort auf seine beiden Begleiter, die das Wochenendticket für die Bahn bereits bereithielten (37 EUR). Auch ohne Probleme erreichte man den Regionalexpress gen Flughafen Frankfurt und machte es sich noch sichtlich müde in einem Großraumabteil um zwei Tische gemütlich. Die Fahrt verlief recht ereignislos und die noch vom Schlafdefizit der vergangenen Nacht Gezeichneten erreichten um 9:30 Uhr den internationalen Flughafen von Frankfurt.
Der Schalter der Delta Airlines, ihres Zeichens eine der größten Airlines der Welt, wurde im Terminal 2 nach einem kleinen Skyride schnell erreicht. Dort erwartete eine nette Dame die Protagonisten zu einer ersten Befragung der Gründe ihres geplanten USA-Besuchs. Nach zufriedenstellenden Antworten unsererseits durften wir unsere Koffer aufgeben und die Bordkarten in Empfang nehmen. Die Kontrolle des Handgepäcks und jedes einzelnen Passagiers durch einen Scanner wurde dann für den Autor noch unplanmäßig erweitert, denn er wurde danach noch freundlich zu einer Extrakontrolle gebeten, bei der sein Handgepäck säuberlich von Hand geöffnet und kontrolliert wurde, während ein behandschuter Mann den Autor nochmal intensiv abtastete (mir kam da ein Spruch von Mittermeier in den Sinn: Wann hatten sie das letzte Mal Sex? Naja, eben, bei der Flughafenkontrolle). Zum Glück wurde auf das Untersuchen diverser Körperöffnungen verzichtet. Als Krönung wurde ich dann noch in einen separaten Raum gebeten, wo meine Kamera CSI-mäßig untersucht wurde. Meine Frage, was denn da eigentlich geprüft würde, wurde dann sogar beantwortet: Man untersuchte sie auf Sprengstoffspuren. Zum Glück wurden keine gefunden und ich durfte mich dann wieder zu meinen beiden Mitreisenden gesellen, die diese Extrakontrolle nicht genießen mussten. Übrigens wurde meine Frage, ob ich extra untersucht wurde, weil ich verdächtig wirke, verneint. Die Leute würden zufällig ausgewählt.
Die erste Etappe des Fluges mit dem Zwischenziel New York City startete dann gegen 11:40 Uhr planmäßig. Der Flug war für die beiden größeren der drei Recken nicht sehr angenehm: Die Profitmaximierung durch Auslastung jedes Zentimeters der Passagierkabine führt in der Touristenklasse zu deutlichen Schmerzen in der Kniegegend und macht den 9-Stunden-Flug zu einer unangenehmen Angelegenheit. Das Unterhaltungsprogramm ließ auch zu Wünschen übrig, denn man war auf das vorher ausgewählte Programm der Fluggesellschaft festgelegt (“The blind site”, “The fantastic Mr. Fox”, “The informant”), welches auf den großen Bildschirmen in der Fluggastkabine der Boing 767 gezeigt wurden und welche nicht unbedingt zu den Highlights der filmschaffenden Kunst zählen (meine Meinung). Man muß übrigens trotz der Zwangsanmeldung auf der Homeland-Security-Website immer noch dieses sinnlose Einreiseformular ausfüllen.
Als der Atlantik passiert und die neue Welt erreicht war, begannen die unschönen Seiten der Reise. Der Pilot teilte mit, dass auf dem John F. Kennedy Airport in New York zwei der drei Landebahnen gesperrt wären und er deshalb noch ein wenig mit der Landung warten müsste. Nach endlosem Kreisen über der Stadt (die man allerdings wegen des bescheidenen Wetters nicht sehen konnte), wurde es dann nach einer Stunde ernst: Der Pilot bot sein ganzes Können auf, um die Maschine bei Regen und Orkanböen auf den Boden zu bringen. Normalerweise ist es bei Linieflügen nicht üblich, dass nach erfolgreicher Landung geklatscht wird, aber dieses Mal wurde dem Piloten reichlich Beifall gespendet, denn nicht nur ich war froh, dass der den Vogel wieder unfallfrei auf die Landebahn aufgesetzt hat.
Wer nun dachte, dass damit das Schlimmste vorbei war, sah sich leider getäuscht. Als wir Richtung unseres “connecting flights” marschierten, sahen wir auf den Anzeigetafeln, dass ein Großteil der abgehenden Flüge gestrichen war. Unserer zum Glück nicht und so gingen wir ohne große Not Richtung Gate, nachdem wir eine schnelle Immigration inklusive der üblichen Fotos und Fingerabdrücke plus erneuten Frage des Grundes unseres USA-Besuchs hinter uns gebracht hatten und unser Gepäck zuerst vom Band genommen hatten, um es dann ein paar Meter weiter wieder auf ein anderes Band zu stellen.
Beim Warten auf unseren Anschlußflug konnte es einem schon Angst und Bange werden: Die großen Scheiben in der Abflughalle des Flughafengebäudes wackelten wegen des Sturms bedenklich in ihren Rahmen und der Regen trug auch nicht gerade zur Aufmunterung aller bei. Endlich durften wir dann in unsere Maschine und juchee, das Flugzeug hat In-Seat-Entertainment, also jeder hat einen eigenen Bildschirm und damit auch Kontrolle, mit was er sich bespaßen lässt während des Fluges. Als alle saßen und die Motoren noch nicht liefen, wackelte allerdings das Flugzeug schon so, als würden die Triebwerke laufen und man sich bereits in der Luft befinden. Dies bewog dann wohl auch die Flughafensicherung, den Starttermin für uns erst mal zu verschieben. Erst eine halbe Stunde, dann eine Stunde. Irgendwann wurden wir dann aufgefordert, die Maschine zu verlassen, weil das Warten in der Abflughalle bequemer sei als im Flugzeug. Der Start sollte gegen 19:00 Uhr (für uns also gefühlt um 1:00 Uhr nachts), später dann um 20:00 Uhr stattfinden.
In unserer Langeweile auf dem Flughafen gesellte sich dann doch irgendwann Unbehagen, weil mittlerweile fast alle Flüge abgesagt waren. Jedoch wurde unsere Laune nicht getrübt, denn zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch die naive Vorstellung, daß sich die Fluggesellschaft um alles kümmert, falls unser Flug ausfallen würde.
Wie die Realität aussah, erfuhren wir dann gegen kurz vor 20:00 Uhr. Der Mann am Gate sagte lapidar, dass der Flug nach San Francisco nun auch wegen des Wetters ausfällt und weshalb er dass mit dem Wetter so betonte, stellte sich dann kurz danach raus, als wir nachfrugen, wie es denn so weitergehen sollte. Er meinte dann, dass die Fluggesellschaft für das Wetter ja nix könnte, also höhere Gewalt und so, und dass wir uns dann einfach ein Hotel auf eigene Kosten suchen sollten, inklusive Transport dahin. Er gab uns dann noch netterweise eine Telefonnummer, wo man uns einen Discount in einem flughafennahen Hotel als Delta-Kunde geben würde. Nicht nur wir waren ob dieser Ansagen recht empört. Das Ganze steigerte sich dann noch, als man bekanntgab, dass die Flüge ins sonnige Kalifornien am nächsten Tag bereits alle ausgebucht seien. Man könnte sich da aber noch auf Standby setzen lassen, so dass man einen Platz bekommt, wenn jemand nicht zum Flug kommt (was effektiv bedeutet, dass man den ganzen Tag am Flughafen verbringen kann und nur eine begrenzte Chance auf Weiterflug hat). Die Leute, die mehr Erfahrung im Flugcanceln hatten, waren so geschickt gewesen und hatten schon mal, während wir noch die Hoffnung auf Weiterflug hatten, einfach mal proforma schon den Flug auf den nächsten Tag verschoben und grinsten sich jetzt einen.
Wir entschieden uns dann für die sichere Lösung und buchten einen festen Platz für die erste Maschine am Montagmorgen und planten dann noch einen Tag New York City ein (den Sonntag). Allerdings blieb da dann noch das kleine Unterbringungsproblem, dem wir uns widmen mussten. Da der Flughafen JFK in NYC komplett dicht war, waren nicht nur wir an einem Hotel interessiert. Die Telefonnummer, die wir über eine der irrwitzigen Telefone am Flughafen zu erreichen versuchten, war nicht erreichbar, weil entweder gerade 2000 Leute gleichzeitig anriefen oder einfach kein Hotel in der Nähe mehr frei war. Bei dieser Verzweifelungstelefonaktion kam es dann zu einer Spontansolidarisierung mit ein paar älteren irischen Damen, die das gleiche Problem hatten. Die hatten allerdings noch ein paar Hotels in New York in der Hinterhand und so hängte ich mich mit unserem Hotelzimmergesuch einfach bei denen dran. Die konnten auf Grund der ähnlichen Muttersprache eh besser verhandeln als ich und sie waren dann auch so nett, das für uns zu tun. Während diesem Telefonmarathon standen meine beiden mitreisenden Kumpels geduldig in der Schlange, an deren Ende man eine Information über den Verbleib unseres Gepäcks erhalten sollte, das ja bereits in die Maschine verladen war, die uns nach SF bringen sollte.
Der Telefonmarathon gestaltete sich als sehr anstrengend und nicht zielführend, denn die belegten Hotels wiesen immer auf weitere Hotels hin, die dann aber auch belegt waren. Letztendlich gaben wir (die Irinnen und ich) dann auf. Ich konferierte dann mit unserer letzten Chance auf Rettung: unserem zukünftigen Gastgeber für die kommenden 2 Wochen. Dieser fand dann über das allmächtige Internet auch ziemlich problemlos ein bezahlbares Hotel in Flughafennähe (30 Minuten Taxi) in Queens, das uns für 2 Nächte unterbringen wollte. Dieses Problem war dann zum Glück beseitigt, blieb die Sache mit dem Gepäck. Als wir nach über einer Stunde warten und dem Geniessen des Schimpfwortdialogs zweier junger Amerikaner, die wegen des Unwetters ihren Weiterflug Richtung Springbreak verpasst hatten (“dann fahren wir halt mit Auto nach Orlando” ;) ), endlich an der Reihe waren, konnte die Dame am Schalter der ganzen Situation noch einen drauf setzen: Wir haben leider keine Kapazitäten mehr, um ihr Gepäck aus der Maschine rauszusuchen und hierhier zu bringen, es sei denn, sie könnten noch 5 Stunden warten. Es wäre eh besser, wenn das Gepäck so schnell wie möglich nach SF kommt, dann haben sie es auch, wenn sie dort ankommen. Tolle Sache, hätte man diese Information nicht schon früher den Wartenden zukommen lassen können? Dafür hätte man nicht ewig in der Schlange stehen müssen.
Wir fügten uns dann auch auf Grund der fortgeschrittenen Uhrzeit (22:00 Uhr) unserem Schicksal und traten die Taxifahrt Richtung Hotel an – ohne Zahnbürsten, Klamotten oder sonstigem Hygienekram, dafür aber mit den wichtigen Sachen (Notebook, Kameras, MP3-Player, etc.)
Dort angekommen gab es tatsächlich ein für uns reserviertes, gemütliches Zimmer, in dem drei von den Abenteuern des Tages gezeichnete Männer fast augenblicklich in tiefen Schlaf fielen.
Tatsächlich gab es ein einigermassen anständiges Frühstück am nächsten Morgen und der Mann an der Rezeption gab uns einen guten Tipp, wie wir am schnellsten und günstigsten nach Manhattan kommen sollten. Das klappte außerordentlich gut und abgesehen vom Dauerregen konnten wir alle wichtigen Spots in Manhattan ablaufen.
Den sehr frühen Flug am nächsten Morgen erreichten wir problemlos und bei einigermaßen vernünftigen Wetter hob die Maschine dann sogar ab Richtung San Francisco (allerdings ohne In-Seat-Entertainment).
Blieb die Sache mit dem Gepäck. Am Schalter in Ney York versicherte man uns, dass das Gepäck mit in unserer Maschine sei. Dies stellte sich aber dann in San Francisco als Fehlinformation heraus, denn unser Gepäck kam nicht über das Band, sondern stand bei unserer Ankunft schon in einem abgesperrten Bereich. Und als unser Gastgeber dann auch schon vor Ort war, wendete sich alles zum Guten und wir konnten die restlichen 11 Tage genießen bei herrlichem Frühlingswetter.
Noch eine Anekdote vom Rückflug: Diesmal hatten wir Zwischenlandung in Atlanta, dem passagierreichsten Flughafen der Welt, wie man vor Ort gerne erinnert wird. Und von dort aus flogen wir mit einem Airbus 330 zurück, in dem meiner Meinung nach tatsächlich ein paar Zentimeter mehr Beinfreiheit angeboten werden, sodass man als großer Mensch tatsächlich einigermaßen bequem die Tortur übersteht. Als ich auf dem Nachtflug gerade ein wenig eingeschlummert war, zupft mich jemand am Arm (ich saß am Gang) und eigentlich wollte ich das Ignorieren, aber ein weiterer Zupfer brachte ich dann zum Öffnen der Augen, nur um eine Frau zu sehen, die im Gang zusammenbricht und ohnmächtig wird. Ich habe dann zuerst mal die Stewardess gerufen und mit einem anderen Passagier versucht, die Frau wieder aufzurichten mit dem Ergebnis, dass sie nochmal zusammengebrochen ist.
Als dann alles Flugbegleitpersonal eingetroffen war mit Sauerstoffflasche, Blutdruckmessgerät etc., konnte man die Frau dann auf einen Sitz hieven und sie auch ansprechen. Und dann kam über Lautsprecher tatsächlich die Durchsage, die man aus Filmen kennt: “Ist ein Arzt an Bord?”. Es kamen dann zwei Deutsche an, eine Augenärztin ;) und ein Medizinstudent ;) . Irgendwann hat man die Frau dann nach hinten verfrachtet und sie wahrscheinlich auf eine ganze Sitzreihe gelegt, ich habe sie jedenfalls nicht mehr gesehen und der Flug verlief dann auch weiterhin ruhig.
Witzigerweise hatten Jörg und ich, als wir uns später über den Vorfall unterhielten, uns die gleichen Gedanken gemacht, denn als das mit der Frau passierte, war der Flieger gerade über Neufundland, also kurz vorm Atlantik und wir hatten beide die Angst, dass der irgendwo im Nichts runtergehen müsste.
Also so viel Abenteuer wie auf dieser Reise muss ich nicht jedesmal haben…

Update: Eins ist mir gerade noch eingefallen: Unser Gepäck, das bei der Ankunft in San Francisco schon bereitstand, wurde in der Zwischenzeit dann noch sämtlich von der Zollkontrolle der USA durchsucht. Dies erkannte man zum einen an einem kleinen Aufkleber am Gepäckzettel und zum anderen an einem freundlichen Zettel im Koffer. Ach ja, natürlich hätte es man noch daran erkennen können, dass der Koffer total zerwühlt war. Immerhin haben sie nicht meinen Leatherman Wave rausgenommen. Interessieren würde mich dann noch, ob sie sich den Inhalt meines USB-Sticks angeschaut haben.

Der Artikel wurde am Dienstag, den 30. März 2010 geschrieben. Er ist abgelegt unter folgenden Kategorien: Memories, Wieder was gelernt. Sie können hier einen Trackback senden Trackback zum Artikel anlegen. Kommentieren Sie den Artikel und lassen Sie sich bei neuen Kommentaren Feed für Kommentare automatisch benachrichtigen.

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Kommentare (3)

1

JB

schrieb am 30. März 2010 um 19:35 Uhr:

Schön, dass ihr da wart, ihr Rabauken.
Kann es kaum fassen wie schnell die Zeit rumging.
Wir sehen uns im Juni spätestens.
Bis dahin wird halt remote gezockt.

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